Publikation

Der HEAD CD Frame: ein ganzheitlicher Zugang zu einem inklusivem Curriculum-Design auf Basis des HEAD-Wheels

Publikation, 2019

Outline

M. Gaisch, F. Linde - Der HEAD CD Frame: ein ganzheitlicher Zugang zu einem inklusivem Curriculum-Design auf Basis des HEAD-Wheels - Coming Soon - Tagungsband - 2019, Linz, Österreich, 2019, pp. 233-243

Abstract

In der globalen Wissensgesellschaft scheint die Wettbewerbsfähigkeit einer Nation immer stärker vom Bildungsgrad und der Innovationsfähigkeit seiner Bürger/innen abzuhängen. Der Trend zur Erhöhung des Anteils Hochqualifizierter, die Akademisierung von Berufsfeldern und das Auflösen traditioneller Berufsmuster führen zu veränderten Beschäftigungsstrukturen, die steigenden Einfluss auf die tertiäre Bildungslandschaft nehmen. Differenzierte Studienformate, die vermehrt nichttraditionelle Studierende adressieren, die Einführung von modularisierten Studiengängen und neue Kompetenzportfolios im Einklang mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes führen zu immer neuen und dynamischen hochschulischen Herausforderungen. Hinzu kommen gesetzliche Vorlagen (UN-Behindertenrechtskonvention, Gleichbehandlungsgesetze), die steigende Bedeutung von “Entrepreneurial Universities” mit ihrer Funktionslogik des New Public Managements und vermehrten Druck für Accountability und Vorgaben unterschiedlicher Bologna-Reformen (Yerevan Communiqué, Paris Communiqué). All diese Stellschrauben haben dazu geführt, den Stellenwert von Diversity Management an Hochschulen zu erhöhen. Die Hinführung von unterrepräsentierten Studierendengruppen zu höherer Bildung und deren effektiven Begleitung durch das Studium wird auch von zahlreichen nationalen Strategien zur sozialen Dimension eingefordert und der Ruf nach inklusiveren Hochschulsystemen wird immer lauter. Obwohl Diversität in jüngster Zeit auch eine spürbare Rolle in der Lehre einnimmt, zeigt sich, dass auf der Ebene der Studiengänge das Thema bislang wenig Aufmerksamkeit gefunden hat. Studien belegen, dass die Drop-Out-Raten von nichttraditionellen Studierenden wesentlich höher sind als jene von Regelstudierenden (Holmegaard et al. 2014). Es ist daher davon auszugehen, dass ein geschärfter Blick auf das Student Lifecycle-Management nützlich ist, um adäquate Support-Strukturen zu konzipieren und „Inclusion und Diversity Management (IDM)“ nicht nur auf der Makroebene der Hochschulleitung und der Mikroebene der Lehrveranstaltung, sondern auch auf der Mesoebene der Curricula zu realisieren (Auferkorte-Michaelis/Linde, 2018). Genau hier lassen sich Studiengangsleitungen als “enablers for change processes“ (Ehrenstorfer et al. 2015, Vilkinas/Cartan, 2015) identifizieren; sind sie es doch, die an der Entwicklung und dem Management von Studiengängen zentral beteiligt und für gelingende Studierbarkeit verantwortlich sind. Meist sind die Verantwortlichen eines Studiengangs selbst in der Lehre verankert und haben zudem maßgeblichen Einfluss auf andere Lehrende und das Verwaltungspersonal in ihren Studiengängen (Preymann et al. 2019). Vor dem Hintergrund einer gewissen Diversitätsblindheit (Gaisch, 2014, Holmegaard et al. 2014) scheint es daher umso brisanter, Studiengangsleiter/innen Werkzeuge an die Hand zu geben, die es ihnen ermöglichen, Handlungsfelder für IDM als Mehrwert zu erkennen und dadurch die Studienarchitektur inklusiver zu gestalten, um Studierende in der Breite besser zum Erfolg zu führen. Das im Folgenden vorgestellte Instrument mit dem Akronym HEAD CD Frame steht für „Higher Education Awareness for Diversity Curriculum Design“ und stützt sich auf zwei Komponenten: Dem HEAD Wheel als konzeptionelle Basis für eine Vielfalt an möglichen Perspektiven auf Diversität in Hochschulen und dem es umgebenden Rahmen (Frame), der die curricularen Handlungsfelder für die Gestaltung inklusiver Studiengänge in einem dynamisch komplexen hochschulischen Gefüge aufzeigt. Als eine Antwort auf die bis dato fehlende wissenschaftliche Fundierung (Amundsen/Wilson, 2012, S. 91) soll dieser Rahmen als heuristisches Instrument zur Gestaltung eines nachhaltigen und inklusiven Student Lifecycle Management dienen.