Publikation

Ein systemischer Gestaltungsansatz für ein wettbewerbsfähiges Schienengüterverkehrssystem in Österreich

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C. W. Flotzinger - Ein systemischer Gestaltungsansatz für ein wettbewerbsfähiges Schienengüterverkehrssystem in Österreich - Phd Thesis, Technische Universität Wien - Institut für Verkehrswissenschaften, Österreich, 2014

Abstract:

Im Schienengüterverkehr besteht hinsichtlich der Steigerung der Modal Split-Anteile seit vielen Jahren ein immer größer werdendes Delta zwischen der realen Entwicklung im Gütertransportmarkt und den politischen Zielsetzungen. Die spezifischen Systemeigenschaften des LKW bewirken deutliche Marktvorteile für den Straßengüterverkehr. Ohne wirksame gegensteuernde Maßnahmen wird diese, aus der Sicht eines nachhaltigen Güterverkehrssystems negative Entwicklung, auch in Zukunft anhalten. Bis dato ergriffene Gegenmaßnahmen sind in Ihrer Wirkung Großteils verpufft. Eine nachhaltigere Güterverkehrsgestaltung ist jedoch ohne eine Verlagerung der Transporte von der Straße auf die Schiene nicht möglich. Um einschneidende Verlagerungseffekte zugunsten der Güterbahn erzielen zu können, bedarf es daher neuer systemadäquater und der Komplexität gerecht werdender, ganzheitlicher Lösungsansätze. Zielsetzung der Arbeit ist folglich die Analyse der für den Schienengüterverkehr wettbe-werbsdeterminierenden Einflussfaktoren und die Identifizierung der systemkritischen Hebel zur planmäßigen Einflussnahme und gezielten Steuerung, um damit (1) einen Beitrag zur Steigerung des Transportaufkommens auf der Schiene zu leisten sowie (2) einen Gestaltungsansatz für einen wettbewerbsfähiges Schienengüterverkehrssystem abzuleiten. Zur Erreichung der Ziele wird ein ganzheitlich-systemischer Gestaltungsansatz verfolgt und demzufolge die betrachtete Thematik als integriertes Ganzes gesehen. Die umfassende Systembetrachtung erlaubt die Modellierung einer weitgehend ganzheitlichen Wirkungsstruktur und ermöglicht einen Einblick in das dynamische Wirkungsgeflecht. Die methodische Umsetzung erfolgt anhand der Methodik System Dynamics. Zunächst erfolgt die qualitative Modellierung der Systemstruktur, darauf aufbauend die quantitative Analyse des Systemverhaltens. Letztere betrachtet den relevanten Systemkontext des verlagerungsrelevanten Spannungsfelds zwischen den Logistikprozessen der verladenden Wirtschaft und den Produktionsmöglichkeiten der Güterbahn. Die Ergebnisse dienen der Gestaltung eines wettbewerbsfähigen Schienengüterverkehrssystems. Die Güterbahn benötigt aufgrund der verkehrsträgerspezifischen Systemeigenschaften bahnaffin-getaktete Logistikstrukturen. Für einen Systemwechsel hin zu bahnaffinen Strukturen braucht es ein Umdenken bei allen involvierten Akteuren. Systemändernde Lösungsstrategien müssen, bei einem zwischen den Akteuren der identifizierten Gestaltungsfelder abgestimmten Vorgehen, aus einem Bündel an koordinierten und wohldosierten Maßnahmen bestehen. Die Verkehrspolitik nimmt hierbei eine Sonderstellung ein. Sie hat die Aufgabe bei Meinungsbildung und Systemtransformation als eine Art „Treiber der Veränderung“ zu fungieren. So würden Maßnahmen zur etappenweisen Herbeiführung der Kostenwahrheit bei den Landverkehrsträgern die Wettbewerbssituation der Schiene völlig neu definieren.