Publikation

Mehrwert Kunst?

Outline:

M. Forstner - Mehrwert Kunst? - Phd Thesis, Universität Wien, Österreich, 2013, pp. 360

Abstract:

Inhalt dieser Arbeit ist die Überprüfung der Hypothese, ob künstlerisch-kreatives Gestalten im Bereich der bildenden Kunst einen sogenannten Mehrwert besitzt. Als Ausgangspunkt der Überlegungen wird das Phänomen beleuchtet, dass der Mensch bereits seit seiner frühesten Geschichte als Homo sapiens sapiens in prähistorischer Zeit künstlerisch beziehungsweise kreativ schaffend war und seine Werke über einen ästhetisch-schmückenden Wert hinausgehende weitere Funktionen verfolgten. Dabei argumentiert diese Arbeit im Sinne eines erweiterten Kunstbegriffes, wobei davon ausgegangen wird, dass jeder Mensch zumindest potenziell ein/e KünstlerIn ist und dieses künstlerisch-kreative Potenzial pädagogisch und therapeutisch genutzt werden kann. Die Annahme dabei ist, dass künstlerisch-kreatives Gestalten auch psychohygienisch-kathartische, eigentherapeutische, identitätsbildende, bildende und hedonistische Funktionen und Wirkungen hat und Möglichkeiten bieten kann, Schöpferkraft und Kreativität zu leben und zu erweitern. Darüber hinaus wird zusätzlich behauptet, dass im Sinne eines erweiterten Beuys’schen Kunstbegriffes Kunst und künstlerisch-kreatives Gestalten ein Medium der kritischen Positionierung und der demokratischen Mitsprache sein kann. Das Ziel dieser Arbeit liegt darin, den hier so bezeichneten Mehrwert bildender Kunst beziehungsweise künstlerisch-kreativen Gestaltens verdeutlichend darzulegen und Markierungen für Pädagogik und Therapie, die sich daraus ableiten lassen, aufzuzeigen. Dazu werden beginnend mit der Darstellung und Interpretation prähistorischer bildender Werke ausgewählte Beispiele künstlerisch-kreativen Gestaltens des Menschen über die Jahrtausende angeführt und auf ihren mitgelieferten Mehrwert hin überprüft. Daran anschließend werden das künstlerische Werk von sechs exemplarisch ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern (Frida Kahlo, Niki de Saint Phalle, Pablo Picasso, Fritz Fröhlich, Joseph Beuys, Jean-Michel Basquiat) behandelt und mögliche Funktionsketten zugeordnet. Diese Funktionsketten, die mit „Kunst und Schmerzbewältigung“, „Kunst und Eigentherapie“, „Kunst und politisches Statement“, „Kunst und Aufarbeitung“, „Kunst und Bildung“ und „Kunst und Protest“ benannt sind, werden in einem empirischen Teil überprüfend behandelt. Dabei wurde eine Gruppe von 153 (Hobby-)Künstlerinnen und Künstlern mittels einer Onlinebefragung zu Motiven und Funktionen ihres künstlerisch-kreativen Schaffens befragt. Zusätzlich wurden Leitfaden gestützte Interviews mit fünf Expertinnen und Experten aus dem künstlerischen, pädagogischen und therapeutischen Feld zur Fragestellung der Arbeit geführt. Die Erkenntnisse der hermeneutischen Interpretationen künstlerisch-kreativen Schaffens über die Jahrtausende, der exemplarisch behandelten Künstlerinnen und des empirischen Teiles dieser Arbeit werden zusammengeführt, wodurch abschließend sechs Markierungen für Pädagogik und Therapie beschrieben werden. Diese stellen verdichtend Hinweise dar, warum künstlerisch-kreatives Gestalten als anthropogenes Ausdrucksmittel pädagogisch und therapeutisch hilfreich genutzt werden kann.