Publikation

Komplexität in Liefernetzwerken

Outline:

M. Gerschberger - Komplexität in Liefernetzwerken - Phd Thesis, Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich, 2012, pp. 1-245

Abstract:

In heutigen Liefernetzwerken nimmt aufgrund zahlreicher Entwicklungen, wie unter anderem einer größeren Produktvielfalt, geringeren Losgrößen oder einer steigenden Anzahl von Lieferanten die Komplexität rapide zu. Unternehmen sind sich dieser Herausforderung durchaus bewusst, doch in vielen Fällen fehlt das Wissen im Umgang mit Komplexität in Liefernetzwerken speziell unter volatilen Umfeldbedingungen. Eine Reihe von empirischen Untersuchungen bestätigt die aktuell und auch zukünftig steigende Bedeutung, die dem Komplexitätsmanagement in Liefernetzwerken zuerkannt wird. Unternehmen bewerten ihre aktuellen Liefernetzwerke als komplex und gehen davon aus, dass aktives Komplexitätsmanagement zu einem Wettbewerbsvorteil werden und zu einer Steigerung der Performance führen kann. Unternehmen müssen aufgrund ihres wachsenden Liefernetzwerks eine Identifikation und Priorisierung der Lieferbeziehungen vornehmen. Aus wissenschaftlicher Sicht fehlt ein Entscheidungsmodell, das die Anforderungen in dynamischen Liefernetzwerken entsprechend berücksichtigt und eine kontinuierliche Identifikation der – aus komplexitätsbezogener Betrachtung – kritischen Lieferbeziehungen (= ein Lieferant/ein Element und eine Verbindung zwischen Unternehmen/eine Relation) ermöglicht. Ein solches Entscheidungsmodell würde es den Unternehmen künftig ermöglichen, durch eine kontinuierliche Identifikation der kritischen Lieferbeziehungen und dem damit einhergehenden konzentrierten und optimierten Einsatz der Komplexitätsmanagementaktivitäten, Wettbewerbsvorteile zu erzielen und nachhaltig zu sichern. Das Ziel dieser Dissertation, die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten und in der Unternehmenspraxis situativ skalierbaren Entscheidungsmodells zur Identifikation der kritischen Elemente und Relationen, ist daher für die Wissenschaft und die Praxis gleichermaßen relevant. Im Unterschied zum aktuellen Forschungsstand wird der – in der Literatur heterogen definierte – Begriff ‚Komplexität‘ mittels identifizierter und operationalisierter Einflussfaktoren (= Parameter der Komplexität) bestimmt. Darüber hinaus wird zur Gewährleistung der unternehmens- und situationsspezifischen Anwendbarkeit eine Möglichkeit zur situativen Gewichtung der Parameter im Entscheidungsmodell implementiert. Durch diese Dissertation wird ein situativ anpassbares Entscheidungsmodell zur Identifikation der kritischen Elemente und Relationen entwickelt. Im Zuge einer umfassenden und systematischen Literaturrecherche werden die Einflussfaktoren der Komplexität in Liefernetzwerken und die Anforderungen an ein Entscheidungsmodell zur Identifikation der kritischen Elemente und Relationen erhoben. Diese identifizierten Einflussfaktoren werden mittels geeigneter Messgrößen operationalisiert und im Entscheidungsmodell implementiert. Das theoriegeleitete Fundament für die Modellentwicklung bildet die Kombination des quantitativen Modells zur strategischen Lieferantenbewertung nach Müssigmann und die vektorenbasierte multikriterielle Bestimmung der Komplexität nach Costa beziehungsweise Windt. Diese theoriegeleitete Modellentwicklung wird durch prototypischen Einsatz im Rahmen einer eingebetteten Fallstudie (mit vier Analyseeinheiten) überprüft. Möglichkeiten, Anwendungsvoraussetzungen und Grenzen des Modells, sowie künftiger Forschungsbedarf schließen die Arbeit ab.